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Gender Mainstreaming


 Warum Gender Mainstreaming?

Geschlecht ist in unserer Gesellschaft nicht nur ein individuelles Personenmerkmal. Frau oder Mann zu sein ist ausschlaggebend dafür, welchen Platz wir in der Gesellschaft zu welchen Bedingungen einnehmen. Frauen haben immer noch schlechtere Chancen am Arbeitsmarkt und leisten mehr unbezahlte Arbeit, sie haben weniger Einkommen und ein höheres Armutsrisiko als Männer. Ihren Leistungen kommt weniger Anerkennung und Wertschätzung zu, und in den Entscheidungs- und Machtstrukturen sind sie kaum vertreten.

In einer Gesellschaft, in der Frauen und Männer unterschiedliche Rollen und Positionen haben, gibt es keine "geschlechtsneutrale" Perspektive. Allzu oft wird übersehen, dass der scheinbar "allgemeine" Blick ein sehr männlicher ist. Frauen und ihre Lebenszusammenhänge, ihre Bedürfnisse und Interessen werden häufig nicht genug wahrgenommen, wodurch Benachteiligungen von Frauen zementiert werden.

Gender Mainstreaming integriert deshalb eine geschlechtssensible Perspektive in alle Politikbereiche und Maßnahmen. Das heißt, dass Unterschiede zwischen Frauen und Männern immer bewusst berücksichtigt und alle Vorhaben so gestaltet werden, dass sie einen Beitrag zur Förderung der Chancengleichheit leisten.


Was heißt Gender Mainstreaming?

Gender = "Soziales Geschlecht"
Das Englische unterscheidet sprachlich zwischen "sex", dem biologischen Geschlecht, und "gender", dem sozialen Geschlecht. Mit Gender sind die gesellschaftlichen Geschlechterrollen gemeint, die Vorstellungen und Erwartungen, wie Frauen und Männer sind bzw. sein sollen. Die Geschlechterrollen können sich im Lauf der Zeit ändern und sind innerhalb und zwischen den Kulturen sehr unterschiedlich.

Mainstreaming = "in den Hauptstrom bringen"
Mainstreaming heißt, dass ein bestimmtes Denken und Handeln in den "Mainstream" - in Politik und Verwaltung, Programme und Maßnahmen - übernommen und zu einem selbstverständlichen Handlungsmuster wird. Dass ein Sonderthema zu einem Hauptthema wird. Mainstreaming heißt, den Mainstream zu durchdringen und zu verändern.

Gender Mainstreaming bedeutet, bei allen Planungs- und Entscheidungsschritten immer zu überprüfen:
Wie sieht in dem betreffenden Bereich das Geschlechterverhältnis aus?
Wie wirkt sich das geplante Vorhaben auf die Situation von Frauen und Männern aus?
Wie kann ein Beitrag zur Förderung der Gleichstellung geleistet werden?

Gender Mainstreaming ist eine Strategie, die die Gleichstellung von Frauen und Männern zum Ziel hat. Die Berücksichtigung von Unterschieden zwischen Frauen und Männern soll diese Unterschiede nicht zementieren, sondern erfolgt mit dem Ziel, Ungleichheiten abzubauen und die Gleichstellung zu fördern.


Zum Beispiel

Eine geschlechtssensible Didaktik in Schulungsmaßnahmen berücksichtigt unterschiedliches Lern- und Kommunikationsverhalten (z.B. unterschiedlicher Technikzugang) von Frauen und Männern. Dies bedeutet nicht, dass Frauen eine "Sonderbehandlung" brauchen, sondern es bedeutet, unterschiedliche Zugänge zu thematisieren, voneinander zu lernen und für alle neue Wege zu erproben.
Teilzeitarbeit berücksichtigt das Bedürfnis von Frauen, Familie und Beruf leichter vereinbaren zu können. Teilzeitarbeit ist jedoch mit geringerem Einkommen und schlechteren Berufs- und Aufstiegschancen verbunden. Außerdem bleibt das Problem der Vereinbarkeit von Familienarbeit und Erwerbstätigkeit "Frauensache".
Um Gleichstellung zu erlangen, ist die gleiche Verteilung der Betreuungsarbeit (und von Teilzeitarbeit) auf Frauen und Männer anzustreben sowie ein Beschäftigungssystem, in dem Teilzeitarbeit keine Schlechterstellung (z.B. bei Karrierechancen) bedeutet.


Mit dem Begriff Gender werden beide Geschlechter in den Blickpunkt gerückt - Gleichstellung ist nicht nur ein "Frauenproblem", sondern geht Frauen und Männer gleichermaßen an. Das heißt allerdings nicht, dass Gender Mainstreaming ein Ersatz für Frauenförderung ist, sondern eine Ergänzung.

Und mit dem Begriff Mainstreaming wird deutlich, dass Gleichstellung kein "Sonderthema", sondern ein Hauptthema in allen Bereichen sein soll. Das bedeutet auch, dass alle in ihren jeweiligen Arbeits- und Verantwortungsbereichen für die Umsetzung von Gender Mainstreaming zuständig sind.


Gender Mainstreaming

integriert eine geschlechtssensible Perspektive in alle Vorhaben
berücksichtigt unterschiedliche Situationen und Bedürfnisse von Frauen und Männern
überprüft alle Vorhaben auf ihre geschlechtsspezifischen Wirkungen
gestaltet alle Vorhaben so, dass sie die Chancengleichheit fördern


 
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